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Was kostet Panama? Gesundheit Teil 1

Ein Umzug nach Panama bedeutet für uns Deutschsprachige meist auch einen Abschied vom gewohnten Vollversicherungssystem. Wer in Panama seine neue Heimat finden möchte, sollte sich daher rechtzeitig mit dem Thema Gesundheit und Kosten auseinandersetzen. Die US-amerikanischen Influencer preisen das panamaische Gesundheitswesen gerne als superbillige Alternative an. Gesundheitsversorgung fast zum Nulltarif also? Im Vergleich mit den horrenden Kosten in den USA auf jeden Fall. Zudem haben viele amerikanische Rentner eine Basiskrankenversicherung mit Medicare in den USA und kehren für planbare Eingriffe in die Staaten zurück.

Für uns Europäer ist das Bild nicht so eindeutig. Für welche Versicherung, Krankenhäuser und Praxen wir uns entscheiden, kann enorme finanzielle Folgen haben.


Vereinfacht gesagt gibt es in Panama zwei Gesundheitssysteme. Auf der einen Seite das Öffentliche mit rein staatlich finanzierten Einrichtungen sowie der beitragsfinanzierten "Caja de Seguro Social" (CSS). Und auf der anderen Seite das private Gesundheitssystem mit einer grossen Bandbreite von Angeboten.


Das Öffentliche Gesundheitssystem in Panama

Dieses orientiert sich preislich an den lokalen Lebenshaltungskosten, was es aus unserer Sicht tatsächlich sehr preiswert macht. Die öffentlichen Kliniken leiden allerdings unter den üblichen Problemen: sie sind chronisch unterfinanziert und ebenso chronisch überfüllt. Da kann es dir schon passieren, dass du mehrere Stunden unter Schmerzen in der eisgekühlten Notaufnahme sitzt. Zudem sind sie, vor allem abseits der Ballungszentren nicht so ausgestattet, wie wir es von einem Krankenhaus erwarten würden. Schon nach einem Ultraschallgerät, oder einem EKG wird man im ländlichen Raum vergeblich suchen, von radiologischem High Tech Equipment ganz zu schweigen. Wer keine schwerere Erkrankung hat, sich den lokalen Verhältnissen anpassen will, mit langen Wartezeiten zurechtkommt und auf Komfort verzichten kann, wird oft feststellen, dass er gut und erstaunlich günstig behandelt wird. Ein Arztbesuch im öffentlichen Krankenhaus kostet tatsächlich nur zwischen 2$ und 5$, für den Facharzt sind 5$ -10$ fällig. Sind die Ärzte deswegen schlechter? Nein! Häufig operieren dieselben Ärzte am Montag in der teuren Privatklinik und am Mittwoch im öffentlichen Hospital.


Ein Bekannter ohne Krankenversicherung, ließ sich nach 8 Wochen Wartezeit im Hospital Santo Tomás, dem größten öffentlichen Krankenhaus von Panama City, von seinen Nierensteinen befreien. Die Rechnung für die Vor-, Nach-, und Laboruntersuchungen, die Operation selbst, die Anästhesie, mehrere Tage im Krankenhaus und alle Medikamente betrug etwas über 1200 $. Um jeglichen Komfort wie Kissen, Laken oder eine warme Decke für sein Krankenbett im tiefgekühlten 8-Bettzimmer, sowie seine Verpflegung musste er sich allerdings selbst kümmern. Die Krankenpfleger erledigen hier nur die medizinischen Notwendigkeiten. Die medizinische Betreuung selbst beschrieb er als sehr gut.


Auf der Website von Santo Tomás kannst du dir das Angebot des Krankenhauses in sämtlichen chirurgischen und labortechnischen Bereichen, inklusive der Kosten ansehen: https://www.hospitalsantotomas.gob.pa


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Quelle: hospitalsantotomas.gob.pa/mision

Ein 7-Jähriger stürzte vor ein paar Wochen in San Carlos aus einem Golfcart und brach sich den Arm. Im kleinen lokalen Krankenhaus in San Carlos wurde geröntgt, der Bruch gegipst, der Junge bekam ein Schmerzmittel gespritzt, ein paar Abschürfungen wurden gereinigt und mit Wundpflastern versehen.

Die Wartezeit war mit 45 min recht kurz und die Rechnung betrug nur 37$. Die Mutter erzählte mir, dass sie sehr freundlich und kompetent versorgt wurden. Die Poliklinik in San Carlos verfügt zudem über eine Notfallambulanz. In schweren Fällen werden die Patienten dort stabilisiert und dann nach La Chorrera oder Panama City gebracht.


Wer sich keine Krankenversicherung leisten kann oder will und nur auf das öffentliche System setzen möchte, sollte folgendes bedenken: Krankenhaus ist nicht gleich Krankenhaus. In Panama City und in David wird der Patient moderne Krankenhäuser vorfinden, in denen die meisten, auch ernsthafteren Erkrankungen chirurgisch behandelt werden können. Dass die Wartezeiten im öffentlichen System für manche Patienten zu lang sein können, erleben momentan die Versicherten der staatlichen CSS für Arbeitnehmer. In der Ciudad de Salud warten über 70 Patienten auf ihre Herzklappen- oder Herzkatheter- OPs, die mangels OP-Materialien nicht ausgeführt werden können. Diese chronische Unterfinanzierung der CSS ist daher eines der dringendsten Probleme, welche der neue Präsident Panamas auf der Agenda hat. Nicht, dass es lange Wartezeiten auf OPs in Europa nicht gäbe. England ist berüchtigt dafür und auch in Deutschland nehmen die Wartezeiten zu. Aber es sollte auch für Panama erwähnt werden, weil man ja als Ausländer die Entscheidung trifft: Staatlich oder Privat.


Abseits der großen Städte sind es nicht nur eventuelle Wartezeiten. Bekannte im Rentenalter, die inzwischen nach Nueva Gorgona an den Pazifik gezogen sind, wollten sich ursprünglich in Bocas del Toro niederlassen, weil sie gehört hatten, dass es dort ein nagelneu errichtetes Krankenhaus gäbe. Der Mann hatte bereits einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt, nimmt dauerhaft blutverdünnende Medikamente und braucht regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen. Kaum hatten sie ihr erstes gemietetes Domizil bezogen, mussten sie feststellen, dass es sich bei dem neuen Krankenhaus um eine sehr einfache „Clinica“ handelte, deren Einrichtungen nur zur Behandlung von Bagatellerkrankungen gedacht sind. Die nächsten Krankenhäuser, die wir als solche bezeichnen würden, waren eine 1-stündige Bootsfahrt und danach 8 h Autofahrt nach David bzw. eine Flugstunde  nach Panama City entfernt.


Für die Älteren oder Vorerkrankten unter uns, oder nach einem schweren Unfall kann die Standortwahl in Panama lebensrettend sein. Eine zuverlässige, medizinische Versorgung bei ernsten Notfällen und komplexeren Operationen ist nur in und um Panama City und den Playas sowie im Umkreis von David und Boquete gewährleistet.

Ähnlich sieht es mit dem öffentlichen Ambulanzsystem aus. In Deutschland kommt der Krankenwagen (noch). In Panama, unter der 911 erreichbar, kommt er vielleicht gar nicht oder wahrscheinlich zu spät. Für den Notfall empfiehlt es sich daher die Telefonnummer einer der zahlreichen Privatambulanzen bei sich zu tragen. Im zweiten Teil dieser Artikelserie stelle ich daher das private Gesundheitssystem Panamas vor.

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